Am 13. Juni 2009 fand im Konferenzpavillon der Deutsch-Chinesischen Promenade in Shenyang das Alumni-Fachseminar zum Thema „Stadtentwicklung und Lebens- qualität: Strukturwandel in Industrieregionen“ statt. Das Diskussionsforum ist eine gemeinsame Initiative des DAAD, der Humboldt Stiftung, der Deutschen Stadtkultur International eV und der Architekturuniversität Shenyang. Rund 100 Fachleute diskutierten eineinhalb Tage lang Probleme des industriellen Strukturwandels und seine Auswirkungen auf die Städte und die Bevölkerung.
Geladene Redner der Veranstaltung waren unter anderem Professor Zhang Pingyu vom Nordost-Institut für Geographie und Agrar-Ökosysteme der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der Direktor des Instituts für europäische Urbanisierung der Humbold-Universität, Professor Dieter Hassenpflug. Beide Redner sprachen über den aktuellen Zustand der alten Industriebasen Nordostchinas und verglichen diese Probleme mit den Erfahrungen der erfolgreichen Veränderungen im deutschen Ruhrgebiet. Zhang Pingyu ist Experte auf dem Gebiet der Erforschung städtischer und regionaler Veränderung. Dieter Hassenpflug arbeitet seit 2002 eng mit zahlreichen chinesischen Forschungsinstitutionen zusammen, besonders intensiv ist der Austausch mit der Technischen Universität Ha´erbin und der Tongji Universität Shanghai.
Professor Zhang berichtete in seiner Rede über die Entwicklungsgeschichte der alten Industriebasen im Nordosten Chinas. Seit der Öffnungspolitik ist diese Region nicht länger der Brennpunkt des Landes für Investitionen und Entwicklung, weshalb die Produktion rapide abnimmt, wodurch viele Probleme für die Wirtschaft des gesamten Landes entstehen. Professor Zhang äußerte sich darüber, dass sich in den nordöstlichen Gebieten bereits ein umfangreicher Wirtschaftswandel vollzieht. So werden beispielsweise Systemreformen intensiviert, die Öffnung vorangetrieben und die Aufrüstung der Industrieanlagen optimiert, indem man versucht, die den nordöstlichen Provinzen eigene Überlegenheit in den Bereichen Wissen und Ressourcen zu kombinieren. Professor Zhang sprach sich dafür aus, von Deutschland zu lernen und neue Dienstleistungssektoren zu integrieren, wie zum Beispiel die Erziehungs- und Bildungsbranche.
Professor Hassenpflug präsentierte mit Hilfe einer Fülle von Illustrationen und Bildern die kontrastreichen Veränderungen im Erscheinungsbild des Ruhrgebiets, und erläutert an diesem Beispiel lebhaft die Ver- änderungen, die sich dort vollzogen haben. Hassenpflug erklärte, dass die Umgestaltung des Ruhrgebiets nicht durch eine einzelne administrative Einheit erfolgte, entscheidend war die Initative des Bundes. Das Mitwirken des Bundes sollte in der Öffentlichkeit besonders betont werden, da sich auch viele Nichtregierungsorganisationen an der Umgestaltung beteiligt haben. In Deutschland bezeichnet man diese Art der Planung als „nicht-offiziell“ oder „elastisch“.
Bei der Umgestaltung des Ruhrgebietes folgte man dem Prinzip, einige der alten Fabrikanlagen nicht abzureißen, sondern sie mit Hilfe finanzieller Unterstützung vom Staat oder den Bundesländern, kulturellen Organisationen zur Verfügung zu stellen und ihnen dabei zu helfen, den nicht mehr nutzbaren Fabrikhallen eine neue kulturelle Funktion zu geben und so weiterzuführen. Professor Hassenpflug präsentierte ein Bild eines Fabrikgebäudes, das zur Konzerthalle umgebaut wurde. Die Produktionsstätte ist heute offen für die Besucher der Konzerthalle. Zusammenfassend erklärt Professor Hassenpflug, dass die Weiterverwendung der alten Anlagen in neuer Funktion als Museum, Veranstaltungszentrum oder Galerie auch ökonomisch Sinn mache. Diese ausgewählten Beispiele der Umgestaltung zeigen, dass eine post-industrielle Gesellschaft nicht nur an Dienstleistung und Wissen, sondern auch an der Steigerung der Lebensqualität interessiert sein sollte. 
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